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heutzutage noch sinnvoll?


Smartphone mit selbst wechselbarem Akku?

Historie

Erste Mobilfunkgeräte hatten hohen Energieverbrauch

Ein Akku ist ein Verschleißteil und geht deshalb meist schneller kaputt als das Gerät, welches er mit Energie versorgt. Er kostet nur einen Bruchteil des Geräts.
Wenn er vom Kunden ohne Zuhilfenahme einer Werkstatt getauscht werden kann, bleiben die Kosten im Ernstfall bei sehr überschaubaren 20–50 EUR.

So war das in den ersten Jahren des Mobilfunks bei den Handys und später bei den ersten Smartphones. Diese hatten einen wesentlich höheren Energiebedarf als heutige Geräte. Eine Akkuladung reichte bei Starknutzung kaum einen halben Arbeitstag. Berufliche Dauertelefonierer brauchten einen zweiten Akku zum Wechseln.

Moderne Smartphones sind energiesparender konzipiert

Die Akkutechnik hat sich kaum verändert. Die großen Hersteller mit langjähriger Erfahrung liefern gleich­bleibend gute Qualität.
Smartphone-Akkus halten inzwischen bis zu vier Tage ohne Nachladen, weil moderne Smartphones viel sparsamer sind als ältere Modelle.

Großes Smartphone = großer Akku

Diese sogenannten Phablets (Kunstwort aus Smartphone und Tablet) mit Bildschirm­diagonalen von 5–7 Zoll) haben ein größeres Gehäuse und damit Platz für einen viel größeren Akku.

Kleines Smartphone = winziger Akku

Kleine superflache Smartphones müssen weiterhin jeden Abend an die Steckdose, weil deren winziger Akku 1800–2000 mAh oder weniger bietet.

Lebensdauer eines Akkus

Ein Akku kann bei guter Pflege Jahre halten, bis er durch natürlichen Verschleiß weniger als 80 % Leistung liefert und bald darauf ersetzt werden muss.

Wegwerfmentalität hatte alles verändert

Leider wurde in Deutschland die Handy-Provision nicht abgeschafft. Viele Kunden sind sich gar nicht bewusst, was ein Handy oder Smartphone eigentlich wirklich kostet.

Die meisten Mobilfunknutzer kaufen sich alle zwei Jahre per Vertragsverlängerung („VVL“) für ein paar Euro ein neues Smartphone im Wert von 400 bis 1.600 EUR und werfen das alte weg. Viele Altgeräte verschwinden in Schubladen. Bestenfalls wird das Vorgängermodell einem Familienmitglied geschenkt.

Wer es sich leisten kann, schließt beim Mobilfunkprovider einen Premium-Tarifvertrag ab, der jährlich ein neues Smartphone-Topmodell beschert!

Und die Gerätehersteller entwickeln jedes Jahr Smartphones in neuem Design, so dass der bisherige Wechselakku nicht mehr ins neue Modell passen würde. So interessieren sich Kunden und Hersteller kaum für Ersatzakkus.

Ausnahme: drei kleine europäische Hersteller

Fairphone (NL), Gigaset (DE) und shift (DE) bauen Smartphones mit Wechselakku. Allerdings bauen alle drei keine Topmodelle mit neuester Technik und Gigaset verkauft auch Modelle mit nicht vom Kunden wechselbarem Akku. Alle angebotenen Geräte gehören zur Einstiegs- bis Mittelklasse. Immerhin bekommt man von diesen drei Herstellern im Bedarfsfall frische Akkus und keine abgelagerten oder gefälschten Produkte.

Bei Produkten von großen Herstellern kann es passieren, dass Händler zuviele Akkus einkaufen und nicht so schnell verkaufen wie erhofft.
Es gibt Händler, die jetzt noch uralte Android-Smartphones fabrikneu anbieten können, weil sie damals nicht so viele verkaufen konnten wie geplant.

Genauso ist es mit Wechselakkus für Smartphones großer Hersteller, die damals noch so etwas produzierten oder heute noch für wenige Sondermodelle Wechselakkus anbieten. Da lagern Überproduktionen oder Händler nutzen Konkursmasse. Frische Akkus gibt es nur im Jahr des Marktstarts eines Smartphonemodells, weil viele Hersteller diese nur einmal in großer Menge produzieren lassen.

Das alles spielt Produktfälschern in die Hände. Diese bauen gern Akkus von großen Marken nach, weil die Originalhersteller nur eine Serie produzieren und teuer anbieten. So gibt es eine hohe Nachfrage nach preiswertem Ersatz. Großhändler haben Schwierigkeiten, Produktfälschungen zu erkennen und dagegen vorzugehen.

Vorteile

  • kostensparend (bei älteren Smartphones ohne Wechselakku bedeutet Defekt wegen hoher Reparaturkosten finanziellen Totalschaden)
  • zeitsparend (sofort selbst wechseln, nicht erst Termin mit Werkstatt vereinbaren, kein Versand an Werkstatt)
  • wenn das Smartphone durch Fehlfunktion einer App heißzulaufen droht und sich nicht beenden lässt, entnimmt man einfach den Akku
  • wenn ein fehlerhaftes Firmwareupdate das Abschalten/Neustarten des Smartphones unmöglich macht, entnimmt man den Akku

Nachteile

  • ist der Akku bei guter Behandlung nach 2–5 Jahren verschlissen, haben Händler nur noch alte Akkus
  • Produktfälscher stellen täuschend echt aussehende Akkus her, die weder Leistung noch Sicherheit der Originale bieten
  • bei manchen Verkaufsplattformen (auch den größten …) sind überwiegend Fälschungen im Angebot, auch Großhändler sind machtlos

Fazit

Ich bin für Nachhaltigkeit und würde gern ein Smartphone-Topmodell mit Wechselakku kaufen, aber da oben genannte Fakten dagegen sprechen und das bisher bevorzugte Ökosystem noch nie Smartphones mit Wechselakku angeboten hat, nutze ich inzwischen bereits das siebte Smartphone ohne Wechselakku nacheinander.

Meine gute Erfahrung mit sehr vielen Handy- und Smartphone-Akkus lässt mich hoffen, dass der nicht von mir selbst wechselbare Akku lange hält und nicht irgendwann durch amoklaufende Software überbeansprucht wird.

Ausgemusterte Smartphones verkaufte ich bisher in Bestzustand über eine Wiederverkaufsplattform, wodurch auch Menschen mit kleinerem Budget in den Genuss eines Top-Smartphones kamen und somit Geldbeutel und Umwelt geschont wurden.

Schlechte Erfahrung machte ich nur einmal mit dem ersten XXL-Smartphone der Welt (Samsung Galaxy Note): dessen Originalakku hatte sich nach ca. drei Jahren aufgebläht und musste ersetzt werden. Zum Glück war er nicht ausgelaufen oder hochgegangen und konnte einfach durch einen neuen ersetzt werden. Dieser Ersatzakku schien ein Original zu sein.
Inzwischen ging aber auch das nur noch zum regelmäßigen Nachladen aus der Schublade genommene Samsung Galaxy Note kaputt (nicht dessen Ersatzakku!).

Nachtrag 17.09.2021: Inzwischen teste ich das alternative Betriebssystem /e/OS der e-Foundation auf einem Fairphone 3+ – ein Mittelklassemodell mit guter Hardware und leicht selbst wechselbarem Akku.

Nachtrag 10.12.2021: Seit heute nutze ich das Fairphone 4 als Hauptgerät – ein Mittelklassemodell mit sehr guter Hardware und leicht selbst wechselbarem Akku.

Die zuletzt gekauften iPhones verkaufe ich nicht wie vorherige Geräte über eine Wiederverkaufsplattform, da deren Akkus nicht mehr zu 100 % okay sind und das zusammen mit dem Alter den Wiederverkaufswert sehr drückt. Ein Verkauf lohnt sich weniger als die Weiternutzung als Reserve oder für spezielle Anwendungen. Sollte jemand aus dem Familien- oder Freundeskreis ganz dringend ein Ersatzgerät brauchen, könnte ich damit aushelfen.

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